Mentale Beeinflussung von Zufallsprozessen

Diese Art von Experimenten hat ihren Ursprung in den Psychokinese (PK)-Experimenten der Parapsychologie, wie sie z.B. im Institut von Professor Joseph B. Rhine, dem Begründer der experimentellen PSI-Forschung, an der Duke University durchgeführt wurden [Bösch, Steinkamp & Boller 2006]. Beloff und Evans [1961] waren dann die ersten Forscher, die die zuvor üblichen Experimente mit Würfeln ersetzten durch die Verwendung des radioaktiven Zerfalls als Quelle echter Zufallssignale für die mentale Beeinflussung. Wenig später wurde dann Experimente entwickelt, in denen der Output einer radioaktiven Quelle in Bits (Einsen und Nullen) umgewandelt wurde, die in einem Computer gespeichert werden konnten; die entsprechenden Geräte nannte man Zufallsgeneratoren (Random Number Generators, RNG, später Random Event Generators, REG). Später verwendete man allgemein RNGs die auf Avalanche-Dioden beruhten (sogenannte Zener- Dioden) und thermisches Rauschen als Quelle von Zufallsprozessen. In diesen frühen RNG-Forschungen wurde der echte Zufallscharakter des Rauschens in diesen Geräten als wichtig betrachtet, obwohl die gute technische Handhabbarkeit und die viel bessere Kontrolle über die experimentellen Bedingungen als in den Würfelexperimenten die wichtigsten Argumente für die Verwendung von RNGs waren. Ein weiterer Grund für die Verwendung von RNGs war, dass Forscher in den 1970er Jahren begannen, PSI-Phänomene im Rahmen von quantenphysikalischen Konzepten zu modellieren. Als Folge davon wurden PK-Experimente mit Würfeln fast völlig durch Versuche mit RNGs ersetzt. Diese Richtung der experimentellen Erforschung der mentalen Beeinflussung von Zufallsprozessen wurde hauptsächlich in den 1970er Jahren von dem in Deutschland geborenen amerikanischen Physiker Helmut Schmidt (1928-2011) und in den 1980er Jahren vom PEAR Lab an der Universität Princeton weitergeführt.
Schmidt arbeitete mit elektronischen Zufallsgeneratoren, die auf dem radioaktiven Zerfallsprozess basierten. Schmidt war ab 1969 Forschungsdirektor des bekannten Rhine Research Center Institute for Parapsychology und setzte seine Versuche später in der Mind Science Foundation, San Antonio, Kalifornien, fort.

Weitergeführt wurden diese Versuche im 1979 von Robert G. Jahn und Brenda J. Dunne gegründeten Princeton Engineering Anomalies Research (PEAR) Laboratory an der Princeton University in Princeton, New Jersey, USA. Jahn war Professor für Luft- und Raumfahrttechnik und Dekan der School of Engineering and Applied Science an dieser Universität und gründete das PEAR Lab mit dem Ziel der „Erforschung der potentiellen Verwundbarkeit von technischen Apparaten und Informationsverarbeitungssystemen für die anomale Beeinflussung durch das Bewusstsein ihrer Operatoren“. Hier wurde zunächst die mögliche mentale Beeinflussung von mechanischen Zufallsprozessen wie dem Fallen von Kugeln durch Anordnungen von Metallstiften erforscht, später jedoch wurden tragbare REGs verwendet, um den anomalen Einfluss von Gruppenereignissen mit einem „hohen Grad subjektiver Resonanz zwischen den Teilnehmern“ auf den Output von elektronischen Rauschgeneratoren zu erforschen. Die Resultate der hohen Zahl von Experimenten, die von Jahn und Nelson und ihren Mitarbeitern im Laufe eines Vierteljahrhunderts am PEAR Lab durchgeführt wurden, haben unzweifelhaft gezeigt, dass der menschliche Geist in der Lage ist, physikalische Zufallsprozesse zu beeinflussen, und haben damit zu einem Durchbruch in der parapsychologischen Forschung geführt [Nelson et al. 1996, 1998; Radin et al. 1996; Bierman 1996; Radin 1997; Special Issue of Explore 2007].

Nach mehr als 26 Jahren Forschungstätigkeit wurde das PEAR Lab 2007 geschlossen. Seine Arbeit wird vom International Consciousness Research Laboratory (ICRL) in Princeton sowie im „Global Consciousness Project“ von Roger Nelson weitergeführt.

Eine weitere bedeutungsvolle Variante der Experimente zu Zufallsprozessen stammt von dem russischen Biophysiker Simon E. Shnoll, Professor an der Lomonossov-Staatsuniversität Moskau und am Institut für Biophysik der Akademie der Wissenschaften in Puschtschino. Er begann in den 90er Jahren erstmals die Resultate von Experimenten zu veröffentlichen, in denen er mit seinen Mitarbeitern während mehr als 40 Jahren systematisch Zufallsprozesse aller Art, wie z.B. den radioaktiven Zerfall oder das Rauschen in elektronischen Geräten, untersucht hatte [Shnoll 1998, 1999]. Bestimmte statische Auswertungsverfahren enthüllten eigenartige verborgene Muster, deren Ursprung bisher rätselhaft geblieben ist. Messkurven von Messungen am gleichen Ort zeigten während einer gewissen Zeit eine ähnliche Form, die nach einer gewissen Zeit von einer anderen Form abgelöst wurde. Diese Kurvenformen kehrten zyklisch in Perioden von 24 Stunden, 27 Tagen und ca. 365 Tagen wieder. Sie zeigten auch eine geographische Abhängigkeit, indem Prozesse an Orten gleicher geographischer Bereite immer die gleichen Kurvenformen aufwiesen. Die Muster waren zudem je nach Himmelsrichtung unterschiedlich und veränderten sich mit der Drehung der Erde.



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